Gustl, Skippy und der Kuseng

Herrschaften. Ich bin beschämt. Da habe ich doch glatt im letzten Beitrag ein Hochlicht vergessen zu erwähnen. Vermutlich war ich schon voller Vorahnung wegen Günther Perl (Pullach), weil ich dem lieben Gustl sein Auftritt verschwiegen habe.

Da saßen wir gemütlich beim Abendmahl (lecker Fertigsandwich aus dem einzigen Laden im Nationalpark), vor unserem bescheidenen Zelt, als die Fraa aufgeregt ruft „Ein Wombat!“. Da mir ja klar war, dass wir einen sehen und treffen werden (so in echt und freier Wildbahn, nicht in einem degenerierten Streichelzoo), hat mich das net weiter gewundert. Bisserl aufgeregt war ich dann doch, Kamera geschnappt, ohne Schuh‘ ab in den Busch, böse Dornen eingetreten, aber das nimmt man als Grosswildjäger alles tapfer auf sich. Ist aber schon toll, da spaziert so ein Dickerchen gemütlich über unseren Zeltplatz, frisst dem Veganer sein Futter weg, in aller Ruhe, und macht sich dann, nachdem er einige Zeit für Photographien gepost hat, wieder auf und davon, und ward nimmer mehr gesehen. Ach, der Gustl!

Der Gustl sollte an diesem Tag aber nicht das einzige freilebende einheimische Tierchen bleiben. Doch dazu später, erstmal gings ans wandern. Wir hatten uns den Lilly Pilly Gully Circuit vorgenommen, fast 6 km Weg, zu schaffen in 2 bis 3 Stunden. Gemütlich eben gings los, Bäumchen hier, Sträuchchen da, Rascheln hier, Zwitschern dort. Furchtlos schritten wir von dannen, ohne Angst, von gefrässigen Eingeborenen als Zwischen- oder Hauptmahlzeit auserkoren zu werden. Es gab interessantes Gewächs zu sehen, leider kaum Tiere (vermute, die hatten mehr Angst vor uns als wir vor ihnen), und so kamen wir gut voran, erklommen die Anhöhe zum Mount Bishop, bis zu einer atemlos machenden Seehöhe von 170 Meter über dem Meere, dann wieder locker runner. Und geschafft. Wie angegeben, waren wir so knappe 2,5 Stunden unterwegs. Allerfeinst. Ich konnte direkt spüren, wie einige der lecker Küchlein der letzten Woche am Berge verblieben sind.

Bildungsauftrag: 2009 wütete ein gewaltiges Buschfeuer in der Gegend. Hier 2 Bilder von der gleichen Stelle,  die den Zustand kurz danach und heute zeigen. Schon beeindruckend, wie das alles in den paar Jahren wieder gewachsen ist.

Und zum Abschluss des Wandertages noch eines der beim Schauer höchst beliebten 360-Grad-Bilder, von unnerwegs:

Langsam nahte das Ende des grossartigen Aufenthaltes in Wilsons Prom. Nur zu empfehlen, falls mal wer in die Gegend kommt. Also, Gepäck rein in den Cruise Wagon, und nordwärts. Bevor wir den Park Richtung Melbourne verliessen, wollten wir uns noch den Prom Wildlife Walk gönnen. Angeblich, so die Information, könne man da Känguruhs sehen. Wir waren zuversichtlich, vielleicht sehen wir ja eines. Oder, mit viel Glück, ein zweites. Also rein in den Walk, erstmal durch eine Invasion von Mücken. Ich am schimpfen wegen der Migge, die Fraa am schimpfen weil ich schimpfe, also sind wir da schimpfend durch und – standen vorm ersten Känguruh. Das hat sich aber an uns nicht gestört und gemütlich weiter gefressen. Holla, wir waren begeistert. 5 Minuten am Walk, schon das erste gesehen. Wir sind dann den Walk weiter, sahen nix von Belang (ok, ausser 2 Emus und ne Wombat-Höhle), dann um die Kurv‘ rum. Und zack. Ich schätze mal, da waren auf dem ganzen Feld sicherlich um die 50 Känguruhs. Alle tiefenentspannt. Wir schauten die an, die schauten uns an. „Wieder so depperte Touris, die sich freuen, uns beim fressen und scheissen zuzuschauen. Idioten“, so konnte man den Blick einiger deuten. Toll wars, Aug‘ in Aug‘ mit so Viechern. Näher dran trauten wir uns dann aber doch nicht, so 5 Meter waren immer Abstand. Die sollen ja flink mit den Fäusten sein, heisst es.

Das wars in Wilsons. Es hiess ab Richtung Melbourne. Und irgendwie eventuell den Kuseng zu treffen. Erspare dem werten Leser an dieser Stelle tiefergehenden familiären Einblick, um Langeweile zu vermeiden. Aber, in Kurzform – Onkel Josef ausgewandert in den 50-ern, Deutsche (ausgerechnet!) geheiratet, 2 Kinder, nie wieder nach Österreich zurückgekehrt, leider schon verstorben, die Kinder nie in Europa, ich nie in Australien, first contact sollte erfolgen (war zumindest lose vereinbart). Blöderweise hatten wir die letzten beiden Tage im Park keinerlei Kontaktmöglichkeit zur Aussenwelt (sprich, es gab kein Internet *kreisch*), so dass wir nicht wussten, ob sich die Verwandschaft gemeldet hatte. Also, zügig gen Norden gerast, mit heissen 100 km/h. Dinner in Cranbourne, beim Restaurant zum Goldenen Bogen (ja, ich weiss, aber wir hatten wenig Zeit und die haben immer Wlan verfügbar).

Holla, der Kuseng hatte sich gemeldet. Wir seien ganz in der Nähe. Spontan verabredet, am Eingang eines nahen Einkaufszentrums. Ok, Vorortkaff, da in dem Zentrum gibts vermutlich 5 Geschäfte, 2 Schnellimbisse. Ha, nix da. Bayside Shopping Centre. Mehr als 300 Läden. 50 Imbisse. In sowas gibts mehr als 1 Eingang. Im Parkhaus (oranger Sektor) verirrt. Ziellos rumgerannt. Telefoniert. Gefunden. Family Reunion nach mehr als 50 Jahren (Schade, dass der zweite Kuseng nicht dabei war, aber das war etwas zu spontan für ihn). Grossartig wars. Netter Kerl (wenn er bloss net so unverständlich reden würde). Nette Frau (sie versteht man grossartig). Einige Stunden gelabert, als ob man sich schon länger kenne. Wiedersehen wurde vereinbart, mal schauen, obs klappt. Irgendwann, auf den Philippinen. Oder so.

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Nach der herzlichen Verabschiedung und dem Wiederfinden des Cruise Wagon gings weiter nach Melbourne. Schon wieder. Der aufmerksame Leser weiss ja, dass wir hier im Rahmen der Kreuzfahrt schon 2 Tage waren und einst die Radtour gemacht haben. Diesmal gings aber mit dem Auto ins Zentrum. Und das war übel. Einmal falsch vom Highway runner, Ehrenrunde, dann Verkehr wie auf der A3 zu Ferienbeginn. Mehr stauend denn fahrend näherten wir uns dem Hotel, gut dass ich ein besonnener Fahrer bin und mich sowas üüüberhaupt nicht aufregt. Und gut, dass mich die Einheimischen nicht verstanden haben, wenn ich ihnen kostenlose Fahrtipps und weitere gute Ratschläge zugerufen habe. Manchmal habe ich ihnen auch gewunken. Mit einem Finger.

Nach gefühlten 10 Stunden erreichten wir endlich die letzte Unterkunft in Ozeanien. Crown Towers. Was ein nobler Schuppen. Mit einem Casino grösser als Lichtenstein. Da wir recht ermattet waren von Wandern und Känguruh und Kuseng, gabs bloss ein bescheidenes Nachtmahl im Food Court (sowas suchen wir gerne auf, da man komprimiert auf eine Location allerlei verschiedenes findet und probieren kann), danach habe ich (wenn man schon mal da ist) paar Dollar im Casino verzockt. Ab aufs Zimmer, habe am Klo leise geweint (weil verloren) und am über der Badewanne montierten Fernseher Spongebob geschaut. Gute Nacht. Am nächsten Tag gings auf die Great Ocean Road (dann gibts auch wieder mehr Bilder), mit früher Abreise, um vor den ganzen Touribussen an den Hauptpunkten zu sein.

Info zum Beitragsbild – Kuseng, Australia, ohne Haare; Kuseng, Austria, mit Haare (von links).


4 Gedanken zu “Gustl, Skippy und der Kuseng

    1. Stimmt. Immer mal reinschauen, gibt immer wieder mal was. Oder, am sinnvollsten, das Zeugs hier abonnieren. „Follower werden“, wie das heutzutage social-media-mäßig heisst. Irgendwo rechts oben gibt’s dazu nen Knopf.

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