Der ÖPNV und ich

Es heißt ja „benutze den ÖPNV, das ist lustig und für die Umwelt super. Und erst das Klima“. Ok, also habe ich das heute getan. In Velden, diesem Kaff da am Buchstabensuppensee, also da musste was abgeholt werden.

Nun denn, auf gings. 15 Minuten Fußmarsch über den Wernberger Gebirgsrücken, hoch aufn Dobratsch ists nicht viel schwerer. Ich komme an der Bushaltestelle an, schon völlig fertig und könnte gleich mal ein Bierchen zischen. Gab aber keines. Marktlücke. Ich glaube, ich werde das dem rührigen Dönermann mal nahebringen.

Da ich ja nicht weiss, wie pünktlich hier die Busse fahren, war ich schon 5 Minuten vorm Termin da. Das gestern erworbene Ticket (Streber!) aufs Handy geladen, dann rumstehen, lässig wirken. Weil im Grunde fahren hier ja nur 2 Sorten Mensch mitm Bus – Schöler und Säufer, denen sie den Schein gezogen haben. Und ich will ja nicht den Eindruck erwecken, dass ich zu diesem zweifelhaften Klientel gehöre, sondern dass ich ein jungdynamischer Kimaschützer bin, der freudig und freiwillig mit dem ÖPNV durch die Gemeinde fährt.

Dann kommt der Bus. Ein grosser Bus. So um die 50 Plätze. 2 Minuten vor der Zeit. Ich mache brav Platz, damit die Leute aussteigen können, so wie ich es in Frankfurt gelernt habe. Blöderweise will keiner aussteigen. Ist auch irgendwie logisch, sitzt ja auch keiner drinnen. Ich also rein, dem Kutscher das Handy samt Ticket gezeigt. Das hat den armen Kerl weniger interessiert als unsereins, wenn die Schwiegermutter anruft.

Da hat sich ein grosses Problem aufgetan – wo setzt dich denn hin, wenn jeder Platz frei ist? Ganz vorne erste Reihe, damit dem Fahrer auf die Nerven gehst? Ganz hinten, wie früher, wenns mit der Schule nach Hochosterwitz ging und ausgerechnet der, der immer kotzen musste, ganz hinten sass? Nein, der beste Platz ist eindeutig der am Ausgang. Sitzt keiner vor dir, bist schnell raus, perfekte Übersicht. Und falls kotzen musst, hast Platz.

Und dann fahren wir da den Berg runner, rein nach Lind, Kreisel, raus aus Lind, Duel, Velden. Und was passiert? Nix. Keiner steigt ein, keiner aus, keiner interessiert sich hier für den ÖPNV. Ausser Schöler und Säufer ohne Schein. Wobei ich nicht weiss, wieviel dieser Leute ohne Schein auch ohne Schein fahren.

Wir kommen in Velden an. Der Kutscher, der Bus und ich. Ich steige aus, grüsse freundlich und habe Mitleid mit dem armen Kerl, der jetzt wieder nach Villach fährt. Vermutlich alleine, weil ich bin ja raus. Ich hatte kurz erwogen, ihn zu fragen „Hey, ist eh nix los, start an den Boliden, und wir drehen eine kleine Runde übern Seecorso und dann mit Karacho in den Roy. Ich hupe, du fährst“. War wohl nix.

Ich muss noch 10 Minuten spazieren, damit ich das abholen kann, was ich abholen muss. Obwohl, in Velden spaziert man nicht, man flaniert. Immer. Vorbei am Casino, Abholung erledigt, rein ins gepickerlte Auto, ab nach heim

Hin 40 Minuten, Rück 10 Minuten. Der Kärntner Bus und ich werden wohl keine innigen Freunde

Info zum Beitragsbild – Güntherchen und so a schiarches müdes Teil aus Zuffenhausen.


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