Mia san Wöldmasta!!!ölf ans

Zuerst möchte ich ein paar Worte des Trostes zur Linderung des Schmerzes an die spenden, die aus mannigfachen Gründen (weil sie mit dem Weibe zu einem Konzert mussten oder gar nach Minga) nicht dabei sein konnten (obwohl sie gerne gemocht hätten): IHR TROTTEL HABT EINEN DER SENSATIONELLSTEN FUSSBALLABENDE ALLER ZEITEN VERPASST!!!!!

*räusper*

Aber, von vorne. Nach Bekanntgabe des Spiels und vor allem des Ortes war schnell klar, da muss ich hin. In Kärnten. Gegen die Piefke. Pflichttermin. Ausverkauft in 2 Stunden. Der Oberälteste konnte aber Tickets besorgen (hier, das nächste Mal aber bitte was mit Verpflegung am Platz und jungen Frolleins, die das Bier heranschleppen. Und das alles für umme. Danke), Bergfex Robert konnte als Begleiter gewonnen werden.

Bei strahlendem Sonnenschein gings los, aus dem wunderschönen Villach ins, ich will mal höflich bleiben, nahe Klagenfurt. Nach Klagenfurt, das ist für einen Villacher so, als wenn der Frankfurter nach Offenbach muss. Nur schlimmer. Die Fraa mahnte an „nimm doch ein Jäcksche mit“. Irrsinn, bei dem Wetter. Aber was macht man nicht alles so, für die liebe Fraa. Jäcksche gepackt, runner, Fahrkamerad Robert war eingetroffen.

Gemütlich tuckerten die Roberts gen Nebelloch, vermutlich waren die Gänge 4 und 5 im Kleinwagen ausgefallen, so gemütlich tuckerten die Roberts gen Nebelloch. Der Stau bei der Ausfahrt war uns egal, wir hatten ja vor, auf der Autobahn zu parken. Und, tatsächlich, in Klagenfurt parkt man auf der Autobahn. Also, nicht auf der normalen Rennspur, aber in der Abfahrt gibts links und rechts Parkmöglichkeiten, da stellten wir den Kleinwagen ab und überlegten – Shuttle oder Spaziergang. Und prompt kam der erste Shuttle schon vorgefahren, voll bis obes. Also, Spaziergang. Der sich zu einem 40 minütigen Marathon auswuchs.

So richtig ortskundig waren wir ja nicht, aber wir wussten, also eher Wanderkamerad Robert, der wusste, Richtung Minimundus, dann Richtung Uni, dann schau mer mal. Und man konnte das alles gar nicht verpassen, aus allen Ecken strömten Fussballinteressierte, sangen sich ein und suchten den Weg. Wir schritten tapfer voran, trotzten der Hitze und bemerkten die Eintrübung am Himmel. Gut, Klagenfurt, da ists immer was trübe. Aber das sah nach mehr aus. Daher war unser Ziel, ab ins Stadion, dann darfs gerne schütten. Hallo Vorahnung!

Stadion erreicht, überalls wars voll, Bier und Gesang, wie halt so üblich in Kärnten. Ein nettes Stadion, so von aussen. Da hat sich unser verblichener Landeshauptmann ein feines Erinnerungsstückchen bauen lassen. Gut, es floss die eine oder andere Zahlung in dunkle Kanäle, das Ding ist für Kärnten vollkommen überdimensioniert, aber das war dem Jirgale doch wurscht. Denkmal, das musste her. Und das hat er jetzt.

Wir waren früh dran, keine Wartezeit am Einlass, dann rein, Bier gesichert und Sektor inklusive Platz gesucht. Jessas. Gut, dass ich Bergkamerad Robert dabei hatte. Schnell wurde eine Seilschaft aufgebaut und unter Lebensgefahr stiegen wir hinan. Ich weiss gar nimmer, in welche Reihe, das war so hoch, der Sauerstoff wurde knapp, das Denken schwer, mittels Bier erfolgte die Wiederbelebung. Und dann schauten wir uns um, warteten, schauten uns um, tranken. Und selbstverständlich wurde geknipst, man sitzt ja selten 3 Kilometer über dem Wörthersee.

17:30, die Torwächter erschienen. 17:30, der Regen begann. Erst dezent, dann fester, dann – WUSCH!!! Kindskopfgrosse Hagelkörner trommelten über uns (wir sassen in der drittvorletzten Reihe, direkt unnerm Dach, genau hinter der Deutschlandflagge) aufs Wellblech, der Wind trieb den Regen bis zu uns hoch, von unten kamen die Schisser ins Fast-Trockene gestiegen, es kühlte dramatisch ab (gut, dass ich net auf die Fraa gehört habe und trotzdem mein Jäcksche dabei hatte). Und so gings weiter. Mal regen, dann nix, dann Hagel, dann Wasserfall, Schwimmkamerad Robert und ich waren uns unseins – sollten wir gehen und uns draussen den Hageltod holen? Oder bleiben und uns drinnen den Erfrierungstod? Da von Natur aus faul, blieben wir sitzen.

Guter Entscheid, denn nach 4 Platzbegehungen (bei denen unter dem Jubel des Volkes die Schiedsrichter Bälle in die Pfützen warfen, um sich gegenseitig nass zu spritzen) und 3 Verschiebungen wurde verkündet – es wird gespielt. Das Vorabprogramm startete – jeder schwang das vorbereitete gesponserte Fähnchen, es wurde Fendrich gespielt und Strauss Vater, dann erst unsere vom Deutschen geklaute Hymne und dann die eigene (und absolut keiner hat dieses depperte „TöchterSöhne“ gesungen). Irgendwie, tolle Stimmung. Man war siegesbereit.

Nach 10 Minuten wollten wir gehen. Unser Siebenpfandl servierte dem Piefke den Ball am silbernen Tablett, der musste nur locker einschieben. Gut, hätte er bisserl Anstand, dann hätte er dieses Geschenk verweigert. Aber heute nicht. Was ein Scheiss, da hockst 100 Minuten bei HagelSturmWindRegen im Stadion rum, und dann ist nach 10 Minuten, gefühlt, alles vorbei. Das hat man auch im Stadion gemerkt, alle waren erschüttert, die Anfeurungsluft war raus. Man war sich so sicher, heute, ja, heute, da hauen wir dem Piefke aufs Maul. Zack. Nix. Jammer!! Prost!

Und wie es vorher von oben geplätschert hat, so plätscherte die erste Halbzeit vor sich hin. Der Deutsche war im Felde überlegen, aber offensiv harmlos und hinne begann er, unsicherer zu werden. Langsam erkannten die unsrigem Buam, dass da was gehen könnte. So ein Unentschieden, das müsste ja drinnen sein. Und so wie die unten Kickenden das erkannten, so erkannten das auch die oben Sitzenden und die Stimmung erholte sich. Die Anfeuerungsgesänge wurden mehr und lauter, auch wurde der olle Gassenhauer „Wer nicht hüpft, ist Offenbacher!“ angestimmt. Ich fühlte mich wie im Wald, bloss mit Kickersfärbung.

Halbzeit. Bier her. Langsam dämmerte es uns – das Zeug war bleifrei. EIN SKANDAL!!! Da harrt man stundenlang bei Minus 10 Grad aus, wird katzenundhundenass, muss sich dauernd diesen bundesdeutsche Lappen vor einem anschauen – und dann gibts keinen Alkohol im Bier. Aber gut. Klagenfurt. Was wunderts mich.

Egal, was dieser Foda unseren Jungs in den Tee getan hat – das will ich auch. Der Piefke war quasi chancenlos, es war nur eine Frage der Zeit, wann wir dem Spielpraxislosen (der es erstaunlicherweise nicht so schlecht gemacht hat) einen reintuen machen. Und irgendwann, Eckball, die Bayernsau, und – BUMMMM – mit über 200km/h haut der Sankt Veiter Bua (also gleich hier um die Eck aufgewachsen) den Ball zum Ausgleich ins Tor. Das Stadion springt auf, ja, sogar das Stadion, und alles schwingt das Fähnchen. Und jetzt wisse mer, dass wir die Marmeladinger heute eintunken werden.

Immer weiter, Sensationsstimmung. Und irgendwann, zack, 2:1. Gut, dass wir unsere Seilschaft hatten, so wurde ich beim Aufspringen davor bewahrt, in den gähnenden Abgrund gerissen zu werden. Jessas, was ein Jubel, der Österreicher war entzückt, gefühlt wurden alle gleichzeitig narrisch. Als dann noch der Villacher Burgstaller eingewechselt wurde, war ich nimmer zu halten und stimmte freudig „Ich bin Pokalsieger und ihr nicht“ an. Haaaaaaaaaaaa. SIEG!!

Minutenlanges Bejubeln der Helden, man schwang sein Fähnchen und klatschte. Gleichzeitig. Keine Ahnung, wie das motorisch geklappt hat. Aber im Erfolg geht alles.

Falls hier auch fussballinteressierte Spielverlagerer mitlesen: hochverdienter Sieg, Deutschland anfangs mit mehr Ballbesitz und -kontrolle, ohne richtig gefährlich zu werden. Österreich anfangs zu vorsichtig, man hatte wohl Angst, dass einem der Jogi die Hand geben will. Aber mit zunehmender Spieldauer immer mutiger, man spürte, die wollen da heute dem Piefke eine reinsemmeln.

Aber es ging ja vorwiegend nicht um das Spiel an sich, sondern um den Sieg. Und der wurde erreicht. Nach 32 Jahren.

Ausatmen. Langsam verliessen wir den Ort des Triumphes. Um glatte 20 Zentimeter gewachsen. Mindestens. Leider war kein Piefke zum Beschimpfen zu finden, also machten wir uns auf den beschwerlichen Rückweg. Die angebotenen und wartenden Shuttles ignorierten wir, wir sind ja jung und waren voller Adrenalin, das Stückchen konnten wir auch laufen. Navigationskamerad Robert voran, mit Blick auf den Routenplaner, ich hinnerher und immer den Blick schweifend, ob nicht doch ein Deutscher des Weges kommen möge. Souverän führte das Navi uns durch das späte Klagenfurt (sehen Sie unten den spazierten Weg), Bahnhof, Parkplatz, Autobahn, schnell weg.

Klagenfurt

Schee wars, danke an Kombikamerad Robert für die Begleitung und die Fraa für den Tipp mit der Jack‘. Ich bin nunmehr nebst Pokalsieger auch Weltmeisterbesieger, mehr kann man als österreichischer Eintrachtler nimmer erreichen. Habi d’Ehre.

Info zum Beitragsbild – Blick den Abhang runner.


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