Irisch-grün. Leicht überschätzt.

Liebe Leut‘, diesmal führt euch meine Nachbetrachtung nach Irland. Unter anderem. Und all die, die ihr so dermassen begeistert seid von Irland, muss ich in aller Deutlichkeit fragen – warum? Das beste an Irland ist eindeutig die Leistung des Fremdenverkehrsamtes, das allen einredet, dass man nach Irland kommen müsse.

Nein, muss man nicht.

Aber, alles der Reihe nach. (Ja, ich weiss, die Irland-Fans habe ich jetzt schon verloren)

Zur Anreise haben wir uns, wegen eines wahrhaft kümmerlichen Aufpreises, Business Class gegönnt. Eigentlich bringts auf Europa-Flügen nichts, da man die gleichen Sitze mit dem gleichen geringen Platz hat wie der Holzklassenkassenpatient bekommt. Aber, wir durften 92 Kilo an Gepäck schleppen. Und, meine lieben Single-Herren, ihr ahnt oder wisst gar net, was eine Frau so an Taschen und Schuhen einpacken kann. Jessas. Da lohnen 92 Kilo.

Mache mers kurz – Lounge in FRA ok, die Business-Class war grade mal mit 8 Leuten gefüllt, wir hatten fussfrei, zudem mag ich Flüge, bei denen man früher ankommt als man abfliegt. Kurzum, perfekt.

Wie immer, nach der Landung (ohne Klatschen!) und dem Erkämpfen der Koffer am vollgelagerten Bande (warum stellen die Leute sich eigentlich immer, egal auf welchem Flughafen, immer dicht ans Band, damit ja keiner dran kommt, wenn er seinen Koffer sieht?), führte der erste Weg zur Autovermietung. Hier der erste Aufreger – eine Schlange länger als an der Baumarktkasse am Samstag. Aaaaber, die waren nur für den einen Vermieter, wir durften glücklicherweise zum anderen. Daher, an denen vorbei, pfeifend, dann grade mal 15 Minuten gewartet, bis mir der unverständlich redende Urlaubsautovermietungsfachangestelle mitteilte, dass sie mir kein Auto meiner reservierten Klasse geben können, sondern sie uns upgraden. Gratis. Eigentlich toll, gratis und upgrade ist immer gut, aber was will ich mit einem Tuareg in einem Land, dessen Strassen meist so schmal sind, dass nicht mal 2 Schafe nebeneinander gehen können? Aber gut, die Fraa nickte, somit ists beschlossen.

Draussen suchten und fanden wir den grössten Wagen am Platze, packten unsere 92 Kilo ins Handschuhfach (ist geräumig, bei solch einem panzerähnlichen Gefährt) und machten uns auf. Auf der falschen Strassenseite. Was aber kein Problem ist, hier kann ich dem ängstlichen Leser die Angst nehmen – einfach was mit Automatikschaltung, und dann den anderen nach. Im Kreisverkehr muss man bisschen aufpassen (nur wenn man die letzte Ausfahrt nimmt, fährt man in der rechten Spur rein), und wenns geht, immer nur links abbiegen.

Bei der Planung der 4-Tage-Irland-Vorkreuzfahrtsrumreise durfte die Fraa auswählen, aus all den Sehenswürdigkeiten, die in Frage kommen, welche wir denn aufsuchen wollten. Erster Halt wurde somit der Rock of Cashel. Hochhistorisch wichtig für Irland, lt. der Fraa eine „verranzte Ruine“. Lasst das mal keinen Iren hören.

Und, in der Tat, von unten sieht das Teil durchaus imposant aus, auf so einem kleinen Hügelchen, mitten in einem Kaff im Grünen, oben gibts dann nicht mehr als ne Ruine, nen Friedhof und bisserl Ausguck auf das Grüne aussenrum. Irgendwie hatte ich mir das, so nach dem ersten Finden als Top-Sehenswürdigkeit, etwas Sensationeller vorgestellt. Aber gut, dazu muss man vermutlich keltischer Historiker und in direkter Abstammungslinie von St.Patrick sein (und aus einem Land kommen, in dem es keine einzige Burg oder Schloss oder Ruine gibt), um begeistert zu sein. Ich war – immerhin – erfreut, vor allem über das Wetter.

Herrschaften, überhaupt, was ein Wetterchen. Um es schon mal vorwegzunehmen, wir hatten jeden Tag gutes bis tolles Wetter. Nordischer Jahrhundertsommer.

Nachdem wir unseren Panzer aus dem kleinen Cashel gewuchtet haben, gings über Limerick und vorbei an irgendeiner Burg (Bunratty Castle), die als nächste Top-Sehenswürdigkeit gepriesen wird aber so klein ist, dass man sie fast übersieht (sind einfach vorbei gefahren, sah nett aus, aber keinen zwingenden Besuch wert), zu unserem ersten B&B auf dieser Tour. War ein nettes Häuschen, aber die Zimmer arg klein und das Frühstück, obwohl nett und angemessen, im Vergleich zu dem bei unserem zweiten B&B eine Armenspeisung. Aber, passt schon, zum Essen gegenüber in den Pub. Was in Irland nicht schwer ist, hier gibts überall Pubs. Überall. Soviel kann man ja gar net trinken, was die da Pubs haben. Vielleicht sind die auch deswegen immer so gut gelaunt, wegen der Pubs. Und dem vielen, was es da zu trinken gibt.

Tag 2, einer der Höhepunkte stand an, der Besuch der Cliffs of Moher. Und dank der Herbergswirtin (herzlichen Dank dafür) entgingen wir der Massentouristenmeute. Kurz nach Liscannor, in Fahrtrichtung Norden, kommt rechts ein Rock Shop. Fast gegenüber links runner, die Strasse entlang (ist ausgeschildert), so weit man kann. Da wird geparkt, der umtriebige Landwirt hat sich da einen Parkplatz aufgeschüttet und kassiert wohlfeile 3 Euro (zusätzlich zu all den EU-Förderungen, versteht sich). Und dann läuft man noch 15 Minuten leicht bergan, dann sieht man die Cliffs. Ok, also erst hört man, dann sieht man.

Ist schon net schlecht, der Blick von da oben da runner. Fast schon beeindruckend. Und links von dem Turm geht ein Weg hinab, den kann man gefahrlos gehen, da kommt man weiter in die Wand, fast bis ganz runter, wenn man denn möchte. Oder sich traut.

Nach guter Zeit der Erbauung und Betrachtung gings weiter, am Touristenzentrum der Cliffs vorbei (alles voll, kein Platz mehr frei), Richtung Norden. Die Küstenstrasse war schon cool, auf, ab, eng. Immer gebremst, wenn einer entgegenkam, sogar bei jedem Schaaf. Man will sich oder dem annern ja keinen Spiegel abfahren.

Unterwegs nach Galway kommt man durch den Burren. Grau, trübe, deprimierend. Da gibts kaum was ausser grauen Fels am Boden, ab und an steht da irgendwas uraltes keltisches. Wie schon erwähnt, das Paradies für den Historiker.

Nächstes Ziel am Weg war das nächste Schloss (Dunguaire Castle), das dringend angepriesen wurde. Wir habens gefunden, sind aber verfahren wie beim vorigen – ausm Auto rausgeschaut, aha, das isses, ok. Weiter. Tipp: Irland braucht dringend paar imposante Bauten, weil mit denen, die sie haben, können sie grade mal amerikanische Hinterwäldler beeindrucken.

Für die nächsten beiden Nächte nahmen wir Quartier in Galway, in einem wunderbaren B&B, geführt von einer herzigen älteren Dame. Genau so stellt man sich ein B&B vor. Genau so. Dringende Empfehlung – Marless House.

Soviel zu den ersten 2 Tagen in Irland. Demnächst gehts weiter, mit Galway und dem Salthill Medical Centre, der Nicht-Fahrt durch die Connemara und der Fahrt nach Dublin.

Info zum Beitragsbild – mutige Damen an den Cliffs of Moher


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