Dem deutschen Volk äh Einzelhandel

„Los, geh‘ Einzelhandel, unterstütz‘ das lokale Kleingewerbe, kauf‘ auch mal beim Greisler vor Ort“. Meine liebe treue Leserschar, wer kann diesem freundlichen Hinweis der liebsten aller Gattinnen schon widerstehen. Und da ich für meine anstehende Wandlung zum Fitnessmonster das passende Schuhwerk benötige (erstaunlicherweise habe ich wohl fast mehr Schuh‘ als die Gattin. Also, fast. Vermutlich sinds in echt nicht mal ein Bruchteil, aber gefühlt sinds mehr. Wie auch immer.), bin ich also los. Am Samstag. Und musste feststellen, dass man am Samstag mit Ochlophobie zwar nicht ins Möbelhaus sollte, aber der Schuhladen das Paradies darstellt. Da ist nix los. Da gibts nicht mal Verkäufer, die sich verstecken.

Ich also ab, brav meine Lumbalstützorthese für Facettengelenksarthrose umgeschnallt, und raus in die Nachbarschaft. Erster Halt das nahe moderne Einkaufszentrum, wo man alles bekommt, wonach es einen gelüstet.  Also, solange die paar Läden, die noch durchhalten, noch da sind. Das ganze gehört einem Immobilienverein einer ehemals grossen deutschen Bank, die will das Ding wohl veröden und dann Stallungen für Banker reinbauen. Oder so. Unschön.

Rein in den ersten Laden, die Sportabteilung des örtlichen Lebensmittelgrossversorgers, der Anchor Store in diesem Zentrum,  hin zur gesuchten Abteilung. Dann stehen da die Schuhe, auf Kartons, kreuz und quer, belanglos aufgebaut, ohne erkennbare Sortierung, da ist bei mir daheim das Altpapier ja sorgfältiger gestapelt. Dann musste ich mich noch an einem Karren mit Neuware vorbeizwängen, damit ich rundum gehen konnte um mich umfassend zu informieren, kommt da ein Verkäufer aus den unergründlichen Tiefen des Einkaufsparadieses, sieht mich, kurzes nicken, schnell weg. Kunde drohte mit Auftrag, da muss man schnell was wichtigeres erledigen. Klingelton runterladen, oder so. War also nix, der erste Versuch.

Rein in den nächsten Laden. Sowas für Schuhe wie der eine Laden für Brillen. Immerhin, man grüsst mich am Eingang, das war aber auch der einzige Feindkontakt, den das Personal mit mir hatte. Immerhin war das Schuhwerk hier ansprechender präsentiert. Nicht, dass es einen anspricht, aber immerhin ists nicht auf Kartons aufgebaut, sondern wurde fachmännisch und womöglich eigenhändig aus den Kartons entfernt und in Regale geschichtet. Ich habe die Ware interessiert inspiziert, fand das, was ich wollte (ja, ich wusste genau, was ich wollte, Marke, Produkt, Grösse, Farbe, alles schon feststehend) leider nicht, also raus. Kurz überlegt, ob ich ins Reisebüro gehe, wenn schon keine Schuhe dann wenigstens einen Urlaub gebucht, aber wie erkläre ich das dann der Gattin? „Ja, ich war im Einzelhandel, Schuhe habe ich keine gefunden, wir fliegen aber im Herbst in die Karibik“. Hmmm.

In Laufnähe zu diesem sensationellen Zentrum gibts dann noch einen reinen Schuhladen, mit einst solidem Renommee. Wetter war schön, ich brauche eh bisserl Auslauf, also noch dorten hin spaziert. Rein, Personal sieht mich, grüsst, widmet sich dann weiter dem Gespräch mit dem Kollegen. Fand ich ok, warum sich auch stören lassen, die wusste bestimmt schon, dass ich genau wusste, was ich will. Da ist der Versuch der Beratung eh bloss hinderlich. Habe mich im Laden bisserl orientiert, eigenartigerweise ists da nach Grössen sortiert, zudem gibts nur braun, schwarz, wenig weiss, alles eher aus der Sparte „klassisches zum Anzug, aber bloss nicht zu modern“, alles überdeckt von undefinierbarem Geruch. Schnell weg. War also auch nix.

Also gut, wenn ihr keine Lust habt, dann heim, ab ins Internet, Ware bestellt. Fertig.

Mein lieber Einzelhandel, wenn ihr wollt, dass die Leute zu euch kommen und im Idealfall auch was kaufen, dann müsst ihr den Leuten was anbieten. Die Ware lieblos hinstellen,  damit weckt ihr keinen Kaufreiz. Da schau ich wirklich lieber im Neuland, da gibts tolle Bilder, von links, rechts, 360 Grad. Herrschaften, auch im Schuhladen isst das Auge mit.

Macht was, bewegt euch, passt euch an, werdet modern. Es ist nimmer so wie früher, wo es gereicht hat, einen Laden zu haben, der Kunde musste eh zu euch, egal wies bei euch ausschaut. Aber heutzutage? Warum soll ich bei euch was kaufen, wenns euch eh nicht juckt? Friss oder stirb, das geht nimmer. Und wenn schon einer stirbt, dann ists dein  Laden.

Daher gehe ich so gerne im angelsächsischen Ausland in diese tollen grossen Malls, das ist Einkauf, der Spass macht. Bunt, blingbling, motivierend präsentiert, zudem gibts – was einen gerne mal erschreckt – Freundlichkeit des Personals. Die haben erkannt, wie mans macht. Erlebnis Einkauf. Ich freu mich schon aufs nächste Mal, in der Mall.

Info zum Beitragsbild – Symbolbild für den heutzutagigen Einkaufswahn


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