Knirpsturnier und mehr

Präambel zu einer Premiere: erstmals ist einer meiner Beiträge, in etwas gekürzter Form, bereits an anderer Stelle publiziert worden. Ich habe ihn für die hiesige Veröffentlichung kritisch überarbeitet, teilweise ergänzt, manches zensuriert.

Da wir es in dieser traurigen fußballfreien Zeit im wunderbaren Blog des juvenilen Watzes gerade davon hatten, so von wegen Jugendfußball und dem ganzen Kram, will ich mal mit paar früheren österreichischen Bezeichnungen aus diesem Bereich aufwarten, weil, klar, da unten heißt alles anders.  Sowohl das Gmias als auch die Stufen des Jugendfußballs.

Mittlerweile haben sie das, wie ich lesen konnte, aber leider schon angepasst und modernisiert, da gibt’s jetzt die U21 bis runter zur U10. Klassisch nummeriert. Deppensicher. Aber früher, als ich noch jung und die Eintracht das ’92-er Versagen noch vor sich haben wird würden, da war das alles bisserl blumiger in der Bezeichnung. Wenn man gerne gegen den Ball trat, dies auch noch halbwegs talentiert, und zudem das Glück hatte, ein Kärntner zu sein, dann startete man seine fußballerische Profikarriere beim „Knirpsturnier“, gesponsert von einer kleinen Zeitung des Bundeslandes. Da gings dann für den 5- oder 6-jährigen Hosenscheisser aus der strahlenden Metropole nach Klagenfurt, in den Nebel, auf einen Rasenplatz, der noch nie Rasen gesehen hatte, und dann wurde turniermäßig gekickt, gegen 5 oder 6 oder gar 7 andere Teams von Hosenscheissern, die aus auch im Sommer verschneiten Tälern oder anderen Einöden kamen. Bis hoch ins Finale konnte man kommen. Wir haben das damals nicht geschafft, macht aber nix, weil das mein Einstieg ins Business war.

Zudem durften wir nach dem ehrenvollen Ausscheiden, weil alle so liab aus ihren Trickots schauten und der Sponsor unseres Teams ein richtiger Geldsack war (da hatte jedes Team so einen, bei manchen wars der örtliche Kaninchenzüchterverein oder gerne auch mal der lokale Schankwirt, bei uns eine grosse Baufirma), mit einem kleinen gecharterten Flugzeugchenlein von KLU abheben und eine kleine Runde über Nebelkaff und Wörthersee drehen. Kann mich dunkel erinnern, war aber wohl grossartig. Und gekotzt habe ich auch nicht. Damals wurde wohl der Grundstein für meine Rumfliegerkarriere gelegt, früh übt sich, wer ein amtlicher Co2-Ausstoßer werden will.

Wenn man sich also beim Knirpsturnier halbwegs bewiesen hatte und man grosser Motivation war, gings zum Verein. Meist zu dem, der am Nähesten war. Mich hats daher zum ESV Admira Villach verschlagen, altehrwürdig, ohne grosse Erfolge einst und jetzt (obwohl, grade gelesen, die wurden Meister in ihrer Klasse), aber immer schon da, altehrwürdig, mit eigenem Sportplatz, oben am Berg. Logisch.

Somit war man in der Stufe der „Miniknaben“ einsortiert. Da waren wir die ganz Kleinen, der Dress ging bis zu den Knien, die noch ganz Kleineren stolperten schon mal über ihr Leiberl. Aber alle sahen wir muggelig aus. Es wurde gekickt, so im Stile „einer schießt den Ball irgendwohin, alle rennen dem Ball hinterher“. Trainer gabs auch, meist pensionierte Eisenbahner, also in ihren Mitt-Vierzigern, ohne viel Fachkenntnis, aber mit viel Engagement. Und einem Sohn, eher dicklich, der immer kicken durfte. Obwohl er immer über sein Trikot stolperte.

Und, kleiner Exkurs, wir hatten ein wunderbares Gefährt für die Auswärtsspiele, einen VW-Bulli, in orange, heute vermutlich unbezahlbar. Dann sass vorne der Helmut, seines Zeichens der Platz-, Zeug- und Überhauptalleswart, und die ganze Horde hochmotivierter angehender Bundesligaspieler hinne drinnen, lärmend und singend. Und damit gings, je nach Altersklasse, mal weiter weg, mal ganz nah. Sogar ins nördliche Italien fuhren wir zu einigen Turnieren. Wunderbar wars.

So irgendwie bis 8 oder 9 war man bei den „Miniknaben“, dann gings weiter, wenn man so talentiert war, um zu erkennen, dass man nicht dahin rennen soll, wo der Ball hinkommt und wo alle hinrennen – man kam zur Stufe „Knaben“. Das war dann schon eher Fußball denn wildes Hinterhergerenne. Am Ende dieser Stufe, so mit 12, konnte man sich am Taktiktisch wichtig aufplustern und mit dem Ball ordentlich gaberln, gurkerln und den Stanglpass, das war auch so die Zeit, wo die Trikotdraufsteiger endgültig aufhörten – zum einen sahen sie beim Spiel keinen Ball (wer gibt den Ball schon zu einem, wo er weiss, dass der eh drüber stolpert), zum anderen wurde aufs Grossfeld gespielt, da hielten die dann körperlich nimmer mit.

In diese Zeit fiel auch der grösste Erfolg meiner Karriere – dritter Platz beim Kärnten-Cup. Was war das aufregend, damals, Spiele in Gemeinden, wo man sich alleine niemals hingetraut hätte. Wir fuhren ins Lavanttal (da war der Platz direkt neben einem Kukuruz-Acker. Wir lagen früh vorne, schossen den Ball dann immer in den Acker, bis die annern den gefunden hatten, waren wieder 10 Minuten um. Nach einer Nettospielzeit von 15 Minuten hatten wir gewonnen.), ins tiefste Mölltal (das ist da, wo der mit 8 Bier intus der Fahrer ist), alle haben wir sie geputzt und vernichtet. Wegen einem Nicht-Elfmeter nach keiner Schwalbe haben wir dann gegen irgendeinen Deppen verloren (ich glaube, nach Nachdenken, das war gegen die Landesgrenzenverteidiger aus Arnoldstein), aus wars mit dem Traum von der Meisterschaft. Aber, wir hatten damals eine richtig gute Mannschaft, etliche spülte es später in diverse Kampfmannschaften hoch. Mit Stammleiberl. Oder Fixleiberl? Jessas.

Aber, genug vom schwelgen, weiter in der Altersklasse – nach den „Knaben“ kam man, altersbedingt, in die Leistungsklasse „Schüler“. 12 bis 15. Oder so, ungefähr. Ja, ich weiß, klingt sehr langweilig, man hätte die Klasse auch „Frühtrinker“ nennen können. Also, die annern, ich net. Bitte, Herrschaften. Es wurde zäher, man musste in der depperten Schule mehr lernen, daher hatte man weniger Zeit für den Sportplatz, wo man aber, wenn man war, mehr trainieren sollte, wenn man Milliardär werden wollte. Ich wollte Milliardär werden, aber nicht durch sportliche Leistung. Nach meinen Karrierehöhepunkt, Kärnten-Cup, genau, war ich gesättigt. Aber es reichte, um mitzuschwimmen . Eine kickerisch langweilige Zeit, man wartete auf die nächste Phase, die über Freizeitkicker oder Profi entscheiden sollte – die „Jugend“.

Jawoll, so hiess das, irgendwie so 15 bis 18. Da gings dann richtig zur Sache, das war dann schon richtiger Fußball, mit Blutgrätsche und pöbelnden Zuschauern und dem restlichen Schmackes. Immerhin konnten die, die sich hier bewiesen, auf Geld und Ruhm hoffen. Da gings dann schon gegen Leute, die man später in der zweiten Bundesliga kicken sah, manchmal war man schon erstaunt, was da manche so konnten. Ja, sogar in Österreich, wir können nicht nur skibergab. Mir war das aber alles zu anstrengend, ich war eher der Schönwetterfußballer, mit feinem Pass aus dem Stand. So die Preisklasse Stendera.

Wer dann, mit 18, nicht gut genug oder nicht motiviert genug war für die Kampfmannschaft, für die Erste, wie die auch hieß, konnte danach immerhin noch in der „Reserve“ sein Auskommen finden. Da kickte man dann mit allen, die noch kicken wollten, aber für die Erste zu alt, zu schlecht, zu faul, zu dick, zu betrunken waren. Bei mir hats leider für die Erste nicht gereicht, ok, bis auf einmal, da gabs nen Kurzeinsatz, daher – Reserve. Aber das ist für einen jungdynamischen Maturanten auch nicht grade das wahre Dasein, wenn dann mit Leuten kicken musst, die, siehe 2 Sätze vorher. Daher, mit 18, nach Knirps (die dann später, nach dem Ende des namensgebenden Turnieres in „Supermini“ umgetauft wurden und bei den Vereinen angesiedelt waren), Miniknaben, Knaben (Dritter Platz!!), Schüler, Jugend, Reserve und einmal Kampfmannschaft, hängte ich meine Fussballschuhe an den Nagel und beschloss, Vollexperte zu werden. Mit Erfolg.

Info zum Beitragsbild – Kärnten. Vom Hochtor aus.


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